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Die Römischen Verträge und das Europa des Alltags von VoltaireOnline von Franziska ARNOLD -©VoltaireOnline.eu- ![]() Wenn man mit der Generation unserer Großeltern über Europa redet, eröffnen sich eine völlig neue Weltanschauung mit Wünschen und Träumen aber auch Ängsten, die den Jüngeren oft völlig fremd sind. Das folgende Interview mit Frau Stegmeier aus Baden-Württemberg soll uns einen Einblick in ihr Europa geben. "Am schönsten wäre eine gemeinsame Sprache" Interview mit Sophie Stegmaier, 86, Ludwigsburg Frau Stegmeier, Sie sind in den 20er Jahren geboren. Zu dieser Zeit entstand die Paneuropa Bewegung, die als ideologischer Vorreiter der EU die Idee eines vereinten Europas verfolgte. Bekamen Sie in ihrer Jugend etwas davon mit oder haben Ihnen Ihre Eltern etwas davon erzählt? Nein, über ein geeintes Europa dachten damals vielleicht einige Eliten, aber nicht das breite Volk nach. Für uns lag ein vereintes Europa damals außerhalb jeglicher Vorstellungskraft. Von der Paneuropa Bewegung bekam ich nichts mit und dann später unter Hitler waren solche Ideen natürlich ferner den je. Europa began erst nach dem 2. Weltkrieg eine Rolle zu spielen. Dies war vor allem dem Einsatz Adenauers zu verdanken. Er bemühte sich sehr um die Integration Deutschlands in ein geeintes Europa. ![]() Wie kam das bei der Bevölkerung an? Für die Bevölkerung war Adenauers Außenpolitik natürlich etwas vollkommen Neues, eine totale Kehrtwende. Während des Dritten Reiches hatte man sich in die gegensätzliche Richtung orientiert und eine Selbstversorgung Deutschlands angestrebt. Die Nachbarn wurden bekämpft. Vor allem für die Männer, die wenige Jahre zuvor noch an der Front gestanden hatten, war es eine Umstellung, den ehemaligen Feind plötzlich als Partner anzusehen. Dennoch schätzte die Mehrheit der Bevölkerung nach dem Krieg Adenauers Politik und entwickelte schnell eine positive und sehr offene Einstellung bezüglich dieser neuen Ausrichtung. Die patriotische Erziehung wurde schnell abgelegt, man war einfach unglaublich froh, dass der Krieg vorbei war und verband große Hoffnungen mit diesen neuen Ansätzen. ![]() Seit den ersten Schritten von Adenauer in Richtung Europa sind viele Jahre vergangen. Was ist für Sie rückblickend die größte Errungenschaft der Europäischen Union? Meiner Meinung nach ist die Europäische Union ein unglaublicher Erfolg. Ich verstehe nicht, warum manche an dieser Gemeinschaft zweifeln und so viel Kritik an Kleinigkeiten üben. Sie scheinen das Wesentliche vergessen zu haben: Noch vor wenigen Jahrzehnten war Europa vom Krieg gespalten und nun haben wir - unter dem Schirm der EU - seit über 50 Jahren Frieden. Und nicht nur das, wir sind zu einer festen Gemeinschaft zusammengewachsen und nicht nur Partner sondern auch Freunde geworden. Manche Generationen nach mir können wahrscheinlich überhaupt nicht mehrverstehen was für ein großer Schritt hier getan wurde. Und wie hoch man die Sicherung des Friedesn schätzen muss. Was könnte man Ihrer Meinung nach noch verbessern? Die ganze Bürokratie müsste vereinfacht werden, das würde viel Geld sparen. Außerdem sehe ich noch viele Probleme bezüglich der Integration der verschiedenen Kulturen. Je mehr Europa zusammenwächst und die Bevölkerungen sich vermischen, desto wahrnehmbarer werden Unterschiede zwischen den Ländern. Unterschiede sind nichts Schlimmes, können aber für Konflikte sorgen, wenn man sich ihrer nicht bewußt ist oder sie nicht versteht. Viele reden von dem geplanten EU Beitritt der Türkei, ich glaube hierfür ist es noch zu früh. Die türkischen Einwanderer in Deutschland haben oft Probleme sich zu integrieren, die Versäumnisse liegen auf beiden Seiten. Ich glaube die verschiedenen Religionen lassen auch Vorurteile entstehen. Wenn die Integration im kleinen Kreise bis jetzt noch nicht funktioniert, halte ich es nicht für ratsam gleich so einen großen Schritt zu wagen. Vielleicht ist die nächste Generation bereit dafür. Wie wirkt sich die EU auf ihren Alltag aus? Abgesehen von der Sicherung des Friedens hat die EU auf meinen Alltag keine großen Auswirkungen. Aber das ist auch nicht schlimm. Meiner Meinung nach ist die EU etwas für junge Leute, die jetzt grenzenlos reisen können ohne Geld zu tauschen und so einfach Bekanntschaften mit anderen Nationalitäten machen können. Diese Gelegenheit hatten wir nicht. Für die jungen Leute bietet die EU auch eine Erweiterung der Arbeitsmöglichkeiten. Ich finde es auch toll, dass es heutzutage selbstverständlich ist, mehrere Sprachen zu können, wir lernten in der Schule nur Deutsch. Am schönsten fände ich deswegen eine gemeinsame Sprache für ganz Europa, dann könnten alle miteinander reden. Aber das sehen die Jüngeren sicher anders, die haben ja alle schon in der Schule Englisch gelernt und deswegen keine Verständigungsprobleme. Aber auch wenn von den meisten Veränderungen vor allem die jüngeren Leute profitieren, interessiere ich mich sehr dafür wie sich die EU entwickelt, welche neuen Länder beitreten und schaue mir Berichte im Fernsehen an. Vielleicht sehe ich alles mit etwas mehr Abstand und fühle mich nicht so direkt betroffen, aber wichtig und interessant finde ich die Weiterentwicklung trotzdem. Ich finde es schade, dass sich viele ältere Leute nicht mit der EU beschäftigen, mich faszinieren all die Fortschritte. -©VoltaireOnline.eu- |